TransitionThrive – Wachstumsschub für Klimaschutz von unten

Ulrike Gatz, Anja Neumann © Kreiswerke Barnim

Nach einer Zwischenstation in der Breiten Straße ist die Puschkinstraße 15 seit April 2018 das Hauptquartier von „Transition Thrive – Wachstumsschub für Klimaschutz von unten“, dem Eberswalder Klimaschutzprojekt von hebewerk e.V. und der Eberswalder Initiative wandelBar. Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), wird sich dieses Projekt von September 2017 bis einschließlich August 2019 der Aufgabe widmen, die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Eberswalder Alltag zu etablieren.

Klimaschutz in Eberswalde

Durch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat das Thema Klima- und Umweltschutz in Eberswalde und im Barnim mittlerweile eine starke Präsenz entfaltet. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Eberswalder Initiativen entstanden, die sich in unterschiedlichster Weise für ein nachhaltiges und klimagerechtes Leben in der Stadt einsetzen. Für viele von ihnen stellt der Verein hebewerk e.V. seit 2013 Ressourcen, Räume und Netzwerke zur Verfügung. Mit dessen Unterstützung konnten unter anderem ein RepairCafé, ein Labor für Biotechnologie und eine offene Werkstatt, das „Schöpfwerk“ und der Tausch-, Leih- und Schenkladen in Eberswalde realisiert werden. Ziel ist es, Räume und Werkzeuge bereitzustellen, um EberswalderInnen die Möglichkeit zu geben, gemeinschaftlich ihre Ideen und Projekte zu verwirklichen. Dabei können wertvolles Wissen vermittelt und ausgetauscht sowie neue Pläne und Ideen entwickelt werden.

Die Frage, wie das Leben in der Stadt klimagerechter gestaltet werden kann, wurde immer wieder im hebewerk e.V. thematisiert. Hierbei spielt auch die Initiative wandelBar eine wichtige Rolle, die unter anderem bereits mit öffentlichen Apfelsaft-Pressaktionen, dem nachbarschaftlichen Straßenfest in der Ruhlaer Straße im September 2017 oder dem nachhaltigen Stadtführer „Gut Zu Wissen“ Aufmerksamkeit in Eberswalde erlangt hat. Mit solchen Veröffentlichungen und Veranstaltungen will sie ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig Nachbarschaftlichkeit sowie regionales und umweltbewusstes Denken und Handeln in diesen Zeiten sind. Damit ist wandelBar Teil der internationalen Transition Town-Bewegung. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, durch niederschwellige Beteiligung innerhalb der Zivilgesellschaft eine ressourcenschonende und klimagerechte Zukunft zu gestalten, als auch die Abhängigkeit der lokalen Märkte von internationalen Konzernen und Finanzdienstleistern zu verringern.

Wer und was ist „Transition Thrive“?

Durch das „Transition Thrive“-Projekt ist erstmals eine hauptamtliche Unterstützung des bislang ausschließlich ehrenamtlichen Engagements in Eberswalde möglich. Die beiden Projektkoordinatorinnen Ulrike Gatz und Anja Neumann, die diese Aufgabe seit Oktober 2017 mit zwei halben Stellen übernehmen, wissen, was sie tun – geht es hier doch um ihre eigene Region.

Die Eberswalderin Anja Neumann ist 2016 zum Ende ihres Studiums in ihre Heimatstadt zurückgekommen – aus voller Überzeugung, wie sie sagt. Angezogen hat sie nicht nur das bunte Stadtbild, das seit einigen Jahren neben den altbekannten Gesichtern zunehmend von Studierenden, jungen Familien und Zugezogenen geprägt ist. Auch die vielen kleinen und größeren Projekte und Veranstaltungen – zu umweltrelevanten Themen ebenso wie im kulturellen Bereich – haben sie zurückgelockt. Bei so viel kreativem Potenzial und Engagement, sagt sie, habe sie Lust bekommen, selbst an der zukünftigen Entwicklung und Gestaltung ihrer Heimatstadt mitzuwirken. Der Schwerpunkt Umweltgeschichte, den sie innerhalb ihres kulturwissenschaftlichen Studiums wählte, war in diesem Zusammenhang unbewusst eine gute Vorbereitung.

Auch Ulrike Gatz, die Unternehmensmanagement im Bachelor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung studiert hat, ist in der Region aufgewachsen. Bereits während ihres Studiums hat sie sich aktiv für den ALNUS e.V. (Arbeitsgemeinschaft für Landschaftsnutzung, Naturschutz, Umweltbildung und Stadtökologie) und in den hebewerk-Räumen in der Havellandstraße 15 engagiert und war begeistert von der Offenheit, auf die sie dort stieß. „Diese Möglichkeit, einfach mitzumachen und sich einzubringen, egal woher man kommt und wer man ist, ist mir in dieser Form bisher nirgendwo sonst begegnet“, sagt sie. So fiel ihr die Entscheidung, nach dem Studium in Eberswalde zu bleiben, nicht schwer. Sie ist dankbar und froh angesichts ihrer neuen beruflichen Aufgabe, die ihr die Möglichkeit gibt, wichtige und sinnvolle Initiativen in dieser Stadt unterstützen zu können.

Fünf Inhalte stehen im Zentrum des „Transition Thrive“-Projekts:

1. Lastenrad-Projekt
Im Frühjahr 2017 wurde ein Lastenrad-Projekt von hebewerk- und wandelBar-Mitgliedern initiiert, das gut angelaufen ist und im Rahmen des Projekts weiterentwickelt werden soll. Gegen eine geringe Leihgebühr wird der stadtweite Verleih von Lastenrädern organisiert. Drei solcher Lastenräder sind bereits unter fachlicher Anleitung von Ehrenamtlichen gebaut und an Verleihstationen aufgestellt worden, weitere sollen in den nächsten zwei Jahren hinzukommen. Die Grundidee ist, Einkäufe, Familienausflüge und kleinere Transporte erledigen zu können, ohne dabei auf das Auto zurückgreifen zu müssen. Mit der Nutzung der Lastenräder kann CO²-neutrale Mobilität für alle EberswalderInnen ermöglicht und die Position des Fahrrads gegenüber dem Auto im Stadtverkehr gestärkt werden. Aktuell können Lastenräder auf Nachfrage im Regionalladen „Krumme Gurke“ in der Ruhlaer Straße sowie über hebewerk e.V. ausgeliehen werden. Die Leihgebühr wird für die Instandhaltung der Räder verwendet. Weitere Ausleihstationen sollen in den kommenden Monaten folgen.

Auf der Seite der AG Rad Eberswalde findet ihr einen Artikel über unseren Lastenrad-Gemüsetransport im Vorfeld des „Machbarschaftstags“ im Januar 2018.

2. Solidarische Landwirtschaft
Ein weiterer Teilinhalt von „Transition Thrive“ besteht in einer lokalen Solidarischen Landwirtschaft-Initiative (SoLaWi), welche die wöchentliche Verteilung von saisonalen Gemüsekisten aus biologischem und regionalem Anbau organisiert. Hinter dem SoLaWi-Prinzip verbirgt sich der Ansatz, einen direkten Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkten aus der Region an VerbraucherInnen zu ermöglichen, ohne dabei den Schritt über Zwischenhändler wie Supermärkte, Läden o.Ä. zu gehen. Durch die direkte Vermittlung der Landwirtschaftsprodukte, die auf einer persönlichen Vereinbarung zwischen Erzeuger und Verbraucher basiert, kann einerseits die existenzielle Sicherheit des Landwirtschaftsbetriebs gestärkt werden, andererseits die frische, regionale und ökologische Herkunft der Lebensmittel für die VerbraucherInnen garantiert werden.
Momentan besteht eine Zusammenarbeit mit dem Hof „Gemeinsam Gut Leben“ von Gaby und Friedemann Wolf in Luisenfelde bei Klein Ziethen, deren Kisten mit Gemüse und Kräutern jeden Donnerstag zwischen 16:30 und 18:30 Uhr im Projektbüro in der Breiten Straße 20 verteilt werden. Seit September 2017, dem Auftakt der Initiative, konnten bereits zahlreiche AbnehmerInnen für die Kisten gewonnen werden. Wer sich über die Initiative informieren möchte oder selbst Interesse an einer der Kisten hat, kann gern zu den genannten Zeiten im Büro vorbeischauen oder eine E-Mail an das Projekt schreiben.

3. „Essbare Stadt“
Der dritte Projektinhalt „Essbare Stadt“ folgt der Vision, städtische Freiflächen wie Parks, Vorplätze und Wiesen in Eberswalde „essbar“, also nutzbar zu machen. Nach diesem Konzept, das bereits in vielen deutschen und internationalen Städten erfolgreich umgesetzt wurde, können ungenutzte Flächen durch Streuobstgehölze und Blumen, Insektenhotels, Sitzbänke und Ähnliches gestaltet werden. So holen sich die BürgerInnen ihre Stadt zurück und betreiben gleichzeitig aktiven Klimaschutz: Jede der bepflanzten Flächen – als Lebensraum für Insekten und CO²-bindende Pflanzen – leistet dazu einen wertvollen Beitrag. Darüber hinaus dienen solche Flächen als Erholungsorte und liefern frisches Obst, Gemüse und Kräuter. Die aktive Miteinbeziehung der StadtbewohnerInnen bei der Gestaltung und Bepflanzung der Flächen ist dabei entscheidend.

4. „RepairShare“
„RepairShare“, der vierte Projektinhalt, zielt darauf ab, das gemeinschaftliche Reparieren, Nutzen und Ausleihen von Geräten und Werkzeugen in den offenen Räumen des hebewerks zu ermöglichen. Damit wird ein positiver Gegenentwurf zur zeitgenössischen Wegschmeißen-Neukaufen-Mentalität angeboten. Weitere Veranstaltungen und Informationen folgen demnächst an dieser Stelle.

5. Transition Streets
Bei dem fünften Projektinhalt „Transition Streets“ geht es um die nachbarschaftliche Beratung und den Austausch zur gemeinsamen Optimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs. So sollen BewohnerInnen von Mehrfamilienhäusern dazu angeregt werden, sich über ihre Möglichkeiten zum gemeinschaftlichen Einsparen von Heizressourcen, Strom oder Benzin auszutauschen, indem nachbarschaftliche Nutzungskonzepte entworfen werden. Auch das Einrichten von „Tauschkisten“, in denen Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und dergleichen innerhalb der Nachbarschaft ausgetauscht und weitergegeben statt weggeworfen werden können, ist ein Ziel.

… und Vernetzung!

Neben den genannten Inhalten versteht sich das Projekt als Ansprechpartner und Vernetzungsstelle für ehrenamtliche Einzelpersonen, Gruppen und Projekte, die sich für Nachhaltigkeit, Klima- und Ressourcenschutz in Eberswalde stark machen möchten. Der übergeordnete Gedanke ist: Nachhaltigkeit und ökologisches Denken für Klimaschutz und unsere Zukunft sollen zum zentralen Thema für alle Eberswalderinnen und Eberswalder werden. Wer Ideen einbringen, Unterstützung oder Beratung erhalten oder sich genauer über das Projekt informieren möchte, kann sich gern an die beiden Projektmitarbeiterinnen Ulrike Gatz und Anja Neumann wenden.

E-Mail: transitionthrive@hebewerk-eberswalde.de
Telefon: 03334 / 38 77 922
Puschkinstraße 15, 16225 Eberswalde
 Donnerstag 15:00 – 19:00 Uhr
Ihr findet uns auch auf Facebook.

Hauptförderer des Projekts:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)

Fördermaßnahme:
Kurze Wege für den Klimaschutz / Nachbarschaftsprojekte
Förderbereich: Förderaufruf für Nachbarschaftsprojekte

Laufzeit:
September 2017 – August 2019
Förderkennzeichen: 03KKW0167

Projektpartner:
Stadt Eberswalde
WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH
Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) Eberswalde
Bezirksverband der Kleingärtner Eberswalde und Umgebung
Akademie Zweite Lebenshälfte
GeLa: Initiative Gemeinsam Landwirtschaften
Gemeinsam Gut Leben – Hof Luisenfelde
Hof Stolze Kuh – Landwirtschaftsbetrieb Janusz Hradetzky
…sowie zahlreiche weitere UnterstützerInnen